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Crasso´sches Weinberghaus

Crasso´sches Weinberghaus

Das Weinberghaus auf dem Kapellenberg hat eine lange Geschichte. Heinrich von Maltitz zu Ilkendorf ließ in der Mitte des 16. Jahrhunderts dieses Kleinod im Stil der Renaissance erbauen.

Die Familie von Maltitz gehörte zum Meißner Landadel. Sie ist stammes- und wappenver­wandt mit der Familie von Miltitz. Die Maltitz waren schon im 14. Jahrhundert in der Mark Mei­ßen reich begütert. Weiteren Besitz hatten sie in Böhmen, Schlesien, der Mark Branden­burg, in der Ober- und Niederlausitz und in Ostpreußen.

1770 ging das Weinberghaus in das Eigentum des Dresdner Bürgermeisters Dornblüth über, von ihm wiederum an Gustav Ludwig Crasso, Oberinspektor der Königlichen Porzellanmanu­faktur zu Meißen und seit 1882 Ehrenbürger dieser Stadt.

Crasso schenkte im Jahr 1890 das Weinberghaus samt dazugehörigem Weinberg der Stadt Meißen. Verbunden war damit die Verpflichtung, auf dem Gelände ein städtisches Kranken­haus zu errichten. Das Krankenhaus bestand bis 1998.

2003 hat der Schulträgerverein „Miteinander – Freie Werkschule Meißen e.V.“ den Crasso´schen Weinberg in Erbpacht über­nommen und die Gebäude des ehemaligen Krankenhauses für die Werkschule schrittweise saniert.  Das letzte Gebäude „im Bau“ war das Crasso´sche Weinberghaus.

Crasso'scher Weinberg im Jahr 1848

Sanierung in Etappen

Zunächst musste das Gebäude in seiner Substanz gesichert werden. Die ersten Sicherungsarbeiten begannen 2018. Mit Unter­stützung der Denkmalpflege wurden die Risse im Mau­erwerk vernadelt, die historischen Au­ßenputze gesichert und die historischen Kastenfenster ersetzt.

Durch Spenden der Sparkasse Meißen, der Stadt Meißen und von privaten Spendern konn­te das Renaissanceportal mit seinen Sitznischen originalgetreu restauriert werden. Die histori­sche Holzeingangstür wurde in mühevoller Kleinarbeit aufgearbeitet.

Nach der Sicherung des Weinberghauses tat sich mit dem Programm „Brücken in die Zukunft“ ein Förderprogramm für die Innensa­nierung auf.

Befunde aus der Renaissance

Bereits 2017 erfolgten restauratorische Voruntersuchungen, die Befunde in begrenztem Um­fang ergaben. Bei den Sanierungsarbeiten im Jahr 2022 traten unerwartet weitere, teils hochwertige Be­funde zu Tage.

Die an den Wänden des Treppenhauses erhaltenen Putze stammen größtenteils aus der Er­bauungszeit des Gebäudes, der Renaissance. Eine Besonderheit bilden hierbei die westlichen Begrenzungswände im Erdgeschoss und Obergeschoss, auf denen sich figürliche Darstellun­gen erhalten haben.

Dabei handelt es sich um Wächterfiguren, die neben den Eingängen zu den Räumen platziert sind.

Tuerwächter im Erdgeschoss
Türwächter im Obergeschoss

Die Malerei befindet sich auf dem bauzeitlichen Putz und kann insofern etwa in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert werden. Die Ausstattung der in Lebensgröße abgebildeten Wäch­ter mit kunstvoll verzierten Säbeln und Lanzen unterstreicht den wehrhaften und reprä­sentati­ven Charakter ihre Darstellung. Ihre Kleidung entspricht der Mode der damaligen Zeit.

Nach Einschätzung des Landesdenkmalamtes Sachsen sind „Darstellungen von „Wächtern“, speziell „Landsknechten“ oder „Riesen“ sehr selten anzutreffen und stellen ein „Alleinstellungs­merkmal“ in der sächsischen Kulturlandschaft dar“. Eine vergleichbare Wächter-Darstellung findet sich noch im Venussaal auf Schloss Augustusburg.

Beide Türwächterfiguren sind im Bereich des Kopfes zerstört. Das sind bedauerliche Fehl­stel­len, die nach heutiger Lesart der Restauratoren auch als solche bestehen bleiben. Ein Retu­schieren dieser Bereiche, gar ein nach Nachmalen der Gesichter oder Konturen ist seit meh­reren Jahrzehnten nicht mehr üblich.

Zusammen mit dem im Obergeschoss erhaltenen Sinnspruch in alter Kanzleischrift sind die Türwächterfiguren ein einzigartiges Zeugnis einer profanen mittelalterlichen Innenraumgestal­tung.

Bei der Inschrift handelt es sich um einen relativ gebräuchlichen Hausspruch, der seit der Mitte des 16. Jahrhunderts Verwendung fand und ursprünglich Teil eines als Parodie gemeinten alten Pilgerlieds mit dem Titel „Der Weg zum Himmel“ war:


Die Wahrheit ist den Himmel geflogen,

die Treu ist übers Meer gezogen,

die Gerechtigkeit ist vertrieben,

die Untreu ist in der Welt geblieben

Ein weiterer Schriftzug hat sich über der Kellertür auf dem rundbogigen Türgewände erhalten. Die kalligraphischen Merkmale stimmen mit der Inschrift im Obergeschoss überein. Insofern ist auch hier eine zeitliche Einordnung in der Erbauungszeit möglich. Die inhaltliche Deutung ist nach der Freilegung nur bedingt möglich. Gut erkennbar ist die unter Zeile „den Dorst le­schen kan“, die auf einen gut gefüllten Weinkeller hinweist

Das gesamte Treppenhaus war im späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert, der Zeit des Ba­rock, mit einer in Rottönen ausgeführten Imitation eines marmorierten Quadermauerwerks ausgemalt.

Die Gestaltung ist auf einer Fachwerkwand im Obergeschoss noch umfänglich erhalten und lässt sich in Resten an der West- und Nordwand sowie im Erdgeschoss nachweisen.

Die Restaurierungsarbeiten wurden durch die Freien Restauratoren Meißen – Stephanie Bogin und Martin Lehmann – durchgeführt und durch das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen fachlich begleitet. Alle Befunde wurden durch die Restauratoren fachgerecht gesichert, res­tauriert und dokumentiert. Sie können heute größtenteils besichtigt werden.

Die Restaurierung der historischen Befunde im Weinberghaus wurde aus Mitteln des Freistaa­tes Sachsen aus dem Sonderprogramm Denkmalpflege – 2022 finanziert.

Weitere finanzielle Unterstützung erhielten wir durch die Stadt Meißen, die Sparkasse Meißen und den Kuratorium „Rettet Meißen – Jetzt „ e.V.